22.07.2021 - 11:30 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Neuer alter Schulalltag ohne Maske an Schulen in Weiden und Neustadt/WN

Während die Schüler in Amberg wegen der steigenden Inzidenz wieder Maske tragen, können die Weidener noch am Sitzplatz durchatmen: Erleichterung oder unnötiges Risiko? Wir haben uns an Schulen in Weiden und im Kreis Neustadt/WN umgehört.

Die Maske wird in vielen Schulen nun nicht mehr gebraucht: Das Bayerische Kabinett hat beschlossen, dass auch Schüler an weiterführenden Schulen die Masken künftig am Sitzplatz abnehmen dürfen.
von Kathrin Moch Kontakt Profil

Hefte, Bücher, Maske: Die Schüler in Bayern hatten sich längst an ihr neues Accessoire zum Schutz gegen das Coronavirus gewöhnt. Doch die Inzidenzen in den vergangenen Wochen waren rückläufig, bewegten sich vielerorts gegen Null. Das Bayerische Kabinett ließ deshalb die Maskenpflicht an Schulen fallen – zumindest überall dort, wo es das Infektionsgeschehen mit einer stabilen Inzidenz unter 25 erlaubt. Während in Amberg die ersten Schüler wegen steigender Zahlen wieder ihre Maske auch am Sitzplatz tragen müssen, dürfen sie die Schüler aus Weiden und dem Kreis Neustadt/WN noch am Sitzplatz abnehmen.

Das sagen Schulleiter

Für den Schulleiter der Markus-Gottwald-Schule in Eschenbach, Wolfgang Bodensteiner, ist das Ende der Maskenpflicht am Sitzplatz eine willkommene Erleichterung im Schulalltag: "Uns ist sehr viel geholfen, wenn die Maske am Sitzplatz abgenommen werden darf. Auch wenn sich die meisten Schüler sehr gut mit der Maske arrangiert hatten, ist der Unterricht ohne doch ein anderer." Besonders zurückhaltende Schüler hätten oft Hemmungen gehabt sich mit Maske aktiv am Unterricht zu beteiligen, vor allem in sprachlichen Fächern. Trotzdem weiß Bodensteiner: "Corona ist noch nicht beendet. Im Hinblick auf den Unterricht im Herbst müssen wir vorbereitet sein." Es gebe "nichts schlimmeres als wieder Wechsel- oder Distanzunterricht". Bodensteiners großes Anliegen ist deshalb die Anschaffung von Belüftungsgeräten für die Klassenzimmer. "Wir müssen den Präsenzunterricht auch im Herbst gewährleisten. Da darf es nicht an der technischen Ausstattung scheitern."

Auch für den Schulleiter der Hans-Scholl-Realschule in Weiden, Michael Meier, ist das Ende der Maskenpflicht am Sitzplatz eine große Erleichterung. "Es ist einfach ein angenehmerer Unterricht. Mit Maske gab es schon ab und zu Verständnisprobleme." Beim Thema Luftfiltergeräte sei die Schule bereits gut ausgestattet. Sollten die Zahlen wieder steigen, sieht Meier die "einfachste und schnellste Sofortmaßnahme" wieder in der Maske. Erst dann sollte über Distanz- und Wechselunterricht nachgedacht werden.

Das sagen Schüler

Und wie bewerten Schüler den neuen alten Schulalltag ohne Maske? Für Leon (19), Marc (18), Samuel (16) und Simon (18) vom Gymnasium in Neustadt bedeutet der Wegfall der Maskenpflicht am Platz vor allem "durchatmen". Marc erklärt: "Die Konzentration lässt mit Maske einfach schneller nach." Auch Leon findet es vor allem bei längeren und wichtigeren Prüfungen in der Oberstufe wichtig, endlich ohne störende Maske nachdenken zu können. Die meisten Schüler würden die Maske abnehmen, ein paar würden sie aber auch freiwillig aufbehalten. Marc: "Man erkennt schon ein Muster, wer noch Maske aufzieht und wer sie lieber absetzt." Samuel erkennt einen Unterschied, ob die Schüler im Klassenverband oder in gemischten Wahlfächern sitzen: "Da lassen dann einige die Maske auf, die sie sonst runternehmen, wenn sie bei ihrer Klasse sind."

In der Schule fühlen sich die vier Jungs trotzdem sicher. Leon erklärt: "Wir haben Desinfektionsspender, Ampeln zum Lüften und auch Lüftungssysteme. Ich sehe die Schule nicht als Risikofaktor." Und was, wenn die Zahlen wieder steigen? Leon würde auf jeden Fall lieber zurück zur Maske als in den Distanzunterricht gehen: "Gerade in den höheren Klassen, kann man einfach vieles schneller klären, wenn man im Präsenzunterricht ist." Im Vergleich zu den anderen Lockdowns gebe es jetzt außerdem mehr Maßnahmen, wie Tests und Impfungen, um dem Virus Einhalt zu gebieten. Nur Marc kann sich auch eine Rückkehr zum Homeschooling vorstellen: "Ich finde, dass man auch da einen vernünftigen Unterricht machen kann. Manche Schüler sind außerdem trotz Maskenpflicht während der Schulzeit unvernünftig. So gibt es dann trotzdem ein Ansteckungsrisiko."

Entspannung oder Sicherheit

Benedikt (14) aus der achten Klasse am Augustinus-Gymnasium in Weiden weiß die aktuellen niedrigen Inzidenzen zu schätzen. "Diese Situation ist sehr wertvoll und angesichts der Delta-Variante bin ich nicht dafür, die Maske abzunehmen." Benedikt selbst lässt sie im Unterricht so lange auf wie möglich, nur wenn sie sehr stört nehme er sie ab. Er glaubt, dass der Unterricht ohne Maske vor allem für die Lehrer einfacher ist. Trotzdem könne man sich auch als Schüler natürlich besser konzentrieren. "Der Unterricht ohne Maske ist für alle Parteien einfach entspannter."

Die aktuellen Lockerungen in Bayern

Bayern

Das sagen Schüler aus Weiden zu den Coronatests an Schulen

Weiden in der Oberpfalz
Hintergrund:

Die Schulen in der Pandemie

  • 16. März bis 26. April 2020: Kein Präsenzunterricht. Alle Schulen und Kitas in Bayern werden geschlossen. Ausnahme ist die Notbetreuung.
  • März 2020: Die Abschlussprüfungen werden erstmals verschoben.
  • April 2020: Schüler der Abschlussklassen kehren an die Schulen zurück. Abstands- und Hygieneregeln gelten.
  • Mai 2020: Stufenweise Öffnung von allen Kitas und Schulen.
  • Juli 2020: Das Kultusministerium verbietet den Schulen alle Klassenfahrten bis Ende Januar 2021.
  • September 2020: Die Maskenpflicht gilt zunächst nur auf Fluren und Schulhöfen, später auch am Sitzplatz.
  • Dezember 2020: Erneut findet wegen hoher Infektionszahlen nicht überall Präsenzunterricht statt.
  • April 2021: Schüler dürfen nur nach negativem Coronatest am Präsenzunterricht teilnehmen.
  • Frühjahr 2021: Schwellenwert für Distanzunterricht wird zunächst auf eine Inzidenz von 100, später auf 165 angehoben. Die Maskenpflicht am Sitzplatz fällt.

 

 

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