05.02.2021 - 16:33 Uhr
AmbergOberpfalz

Hotels im Lockdown: Existenzangst bei Amberger Hoteliers

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In den Gängen, Zimmern und Aufenthaltsräumen der Hotels in Amberg ist es still. Seit dem Lockdown light im November bleiben die Gäste aus. Drei Hotelbesitzer erzählen, wie es um ihre Hotels steht und vor welche Aufgaben sie gestellt sind.

Die Bar des Hotels Brunner ist leer. Alle Stühle wurden auf die Tische gestellt.
von Caroline Keller Kontakt Profil

Es ist still in der Eingangshalle des Hotel Brunner in Amberg. Ein Gast checkt am Mittwoch um 14 Uhr ein. Weißes Hemd, Krawatte, Anzughose - er ist Geschäftsreisender. Einer von wenigen. Wo sonst geschäftiges Treiben herrscht, könnte man das Geräusch einer auf den Boden fallenden Stecknadel hören. In der, vor allem in den Abendstunden gut besuchten hauseigenen Bar, sind die Stühle auf die Tische gestellt. Seit dem Lockdown light im November dürfen Hotels keine Reisenden mehr beherbergen, außer sie sind geschäftlich unterwegs.

Die aktuelle Lage im Gastgewerbe ist prekär. Laut einer Pressemitteilung des deutschen Hotel- und Gaststättenverbands in Bayern (Dehoga) haben bei einer Umfrage Dreiviertel aller befragten Hoteliers und Gastronomen angegeben, dass ihre Betriebe durch die Corona-Krise in ihrer Existenz gefährdet seien. Ein Viertel gibt an, eine Schließung des Betriebs in Erwägung zu ziehen. An der Umfrage nahmen 1380 gastgewerbliche Betriebe teil.

Hinweisschilder und Umbau

Gleich am Eingang steht ein Desinfektionsmittel-Spender. Ein Schild mit einer kleinen Karikatur darauf erinnert jeden Besucher humorvoll daran, sich die Hände zu desinfizieren. Doch der Spender ist nur ein Teil des Hygienekonzepts, dass Konstantin Schatz, Leiter des Hotel Brunner, mit seinem Team erarbeitet hat. Im Erdgeschoss stehen viele weitere Hinweisschilder. Die meisten erinnern an den Mindestabstand von eineinhalb Metern zu anderen Personen und an das Tragen von Masken. Einzelne Hinweise sind mit kleinen Karikaturen oder Wortspielen ausgestattet. Sie sollen in dieser schwierigen Zeit den Gästen ein Schmunzeln entlocken, denn das fehlt auch dem Hotelbetreiber: "Vor Corona wurde in den Gasträumen viel gelacht und die Leute hatten Spaß." Jetzt ist es auch hier stiller.

Im Hotel wurde auch eine kleine bauliche Maßnahme vorgenommen, um den Standards des Infektionsschutzgesetz gerecht zu werden. Das Frühstücks-Buffet wurde umgebaut und Tische und Stühle so angeordnet, dass Abstände eingehalten werden können. Laminierte Platzdeckchen mit Infos zur Hygiene im Frühstücksraum zeigen genau, wo ein Gast sitzen kann. Sonst stehen auf den Tischen nur noch Salz- und Pfefferstreuer, die nach jedem Gast desinfiziert werden. Mit Bedauern erklärt Schatz, dass auf Dekorationen verzichtet werden müsse: "Alles Schöne, was auch dem Gast Freude bereitet, sind wir gezwungen zu entfernen. Sogar die Blumendekoration musste größtenteils weg."

Wenn Gäste kommen, sind es nur Geschäftsreisende, die im Hotel einchecken. Momentan ist die Lage für Konstantin Schatz nicht ganz aussichtslos. Etwa eine dreiviertel Stunde nach dem ersten Gast heute kommen zwei weitere Gäste zum Hotel zurück. Der Leiter freut sich über jeden. Für sie nimmt er sich die Zeit nachzufragen, ob sie zufrieden seien und ob es gut gehe. Er erklärt: "Momentan ist eine Gruppe von Geschäftsreisenden bei uns zu Besuch. Im Vergleich zu Vor-Corona haben wir momentan eine Auslastung von 30 bis 35 Prozent. An den Wochenenden ist es hier so gut wie leer."

Sorgen macht sich der Hotelier um seine Auszubildenden, denn bei der wenigen Auslastung können sie keine Routine für den sonst oft stressigen Hotelalltag entwickeln. Sei es das zügige Servieren von Speisen und Getränken, das Einchecken und Auschecken von Gästen oder das tägliche Säubern und Desinfizieren der Zimmer. "Natürlich werden die bewohnten Zimmer jeden Tag gereinigt und desinfiziert. Aber bei wenigen Gästen sind nicht allzu viele Zimmer besetzt. Und einfach so putzen lassen, damit die Azubis etwas zu tun haben, das mag ich nicht machen. Sie sollen ja etwas lernen", erklärt Schatz. Unterrichtseinheiten gibt er seinen Azubis trotzdem. Aber die Routine bleibt auf der Strecke.

Leere Kühlschränke

Ähnlich ist die Lage im Vienna House Easy in Amberg. Wo sonst täglich acht bis zehn Nationen beherbergt wurden, ist es jetzt maximal eine. Wo sich sonst auf fünf Etagen das Personal um die Gästezimmer kümmert, wird nur noch auf einer im Notbetrieb gearbeitet. Wo es sonst heiß hergeht und schnell gearbeitet werden muss, sind die Herdplatten kalt, der Kühlschrank abgetaut und die Mitarbeiter in Kurzarbeit geschickt.

Für Silvia Kendzie, Leiterin des Vienna Houses, ist die Situation katastrophal: "Wir können nicht einmal mehr ein Frühstück anbieten. Die Kühlschränke sind leer und Lebensmittel zu bestellen, rentiert sich nicht. Es sind einfach zu wenige da." Seit November bleiben Gäste und Einnahmen aus. Die Kosten hingegen schon. "Das Gebäude muss trotzdem im Winter beheizt werden, damit durch Rohrschäden nicht noch größere Reparaturkosten auf uns zu kommen. Der Winterdienst muss weiterhin den Parkplatz und die Wege von Schnee befreien", erklärt die Hotelbetreiberin. Damit eventuelle Gäste trotzdem eine gepflegte Anlage vorfinden.

Die einzigen, die nicht in Kurzarbeit geschickt wurden, sind die zwei Azubis. Sie kommen, um die Rezeption zu besetzen, die trotzdem geöffnet hat. Auch Kendzie ist die Ausbildung der Azubis wichtig, nur die Corona-Pandemie und der Lockdown erschweren die Lehre. "Wir können ihnen leider vieles nicht zeigen. Zum Beispiel die Abläufe beim Frühstücks-Buffet oder bei Tagungen im Haus. Natürlich haben wir jetzt mehr Zeit, Abläufe, die sonst schnell passieren müssen, viel besser zu zeigen."

Die Auszubildenden werden in der Berufsschule im Distanzunterricht unterrichtet. Aber gerade dort werde normalerweise viel Praktisches beigebracht, wie das richtige Entschuppen eines Fisches oder das Dekantieren eines Weins. "Im Home-Schooling über einen Bildschirm ist das schwer zu vermitteln, aber auch schwer zu erlernen", weiß Kendzie. Trotzdem gibt es für die Leiterin einen Hoffnungsschimmer, auch wenn er klein ist. Sie hofft, dass die Pandemie zusammen durchgestanden werden könne: "In zehn Jahren blicken wir auf diese Zeit zurück und wissen, wir haben es überlebt und gemeinsam geschafft."

Februar bleibt ungewiss

Auch das Allee Parkhotel Maximilian kann momentan nicht viele Gäste begrüßen. Maximilian Fischer, Leiter des Hotels, musste seine Mitarbeiter in Kurzarbeit schicken und arbeitet selbst Nachtschichten. Bei ihm gilt auch, selbst wenn nur ein Gast da ist, müssen das Frühstück gemacht, das Zimmer gereinigt und alle Positionen im Hotel besetzt sein.

Seine zwei Auszubildenden sind von der Kurzarbeit ausgenommen. Fischer erklärt: "Die Ausbildung der Azubis kann viel intensiver stattfinden, da mehr Zeit für sie da ist. Das ist aber nur möglich, da wenige Gäste da sind."

Dem Februar blickt der Hotelier nicht optimistisch entgegen. Er glaubt nicht an eine Lockerung des Lockdowns. Und selbst wenn, bleibe ein Andrang an Gästen aus. Mit ihm einer Meinung ist Hans-Reiner Heldrich, stellvertretender Vorsitzender der Dehoga-Kreisstelle Amberg-Sulzbach: "Keine Ahnung, wie es weitergeht. Urlauber bleiben jetzt zu Hause. Die Leute können sich einen Urlaub auch momentan nicht mehr leisten." Dennoch glaubt Heldrich nicht an eine Pleitewelle in Amberg und Amberg-Sulzbach. Er sieht eher einen anderen Grund für eventuelle Schließungen: "Verschiedene werden aufhören müssen, weil ihnen die Mitarbeiter fehlen. Nach Monaten der Kurzarbeit suchen sich viele einen neuen Job."

Zukunft des Tourismus

Die Branche galt arbeitstechnisch als sicher. Konstantin Schatz hat keine Zweifel, dass das so bleiben wird: "Das Reisen wird sich verändern. Es war doch wahnsinnig, für einen Tag nach Paris zum Shoppen zu fliegen. Ich glaube, dass der Urlaub im eigenen Land interessanter wird." Laut Schatz werden wohl einige Geschäftsreisen wegfallen, da Online-Meetings eine Alternative darstellen. Doch der Hotelbetreiber bleibt hingegen optimistisch: "Einige Großmeetings werden bestehen bleiben. Der Mensch ist einfach ein Herdentier. In der Gruppe fällt das Arbeiten viel leichter."

Der Hotelier blickt sich in seiner recht stillen Eingangshalle um. Er zuckt mit den Schultern: "Und wenn, dann müssen wir unseren Schwerpunkt halt verlagern und mehr aufs Touristische setzen. Besucher wird es immer in Amberg geben, davon bin ich überzeugt."

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