29.12.2020 - 19:06 Uhr
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Wetterbilanz 2020: Etwas entspannter und "pünktlicher" als die Jahre zuvor

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2020 brachte nur wenige Rekorde, war aber dennoch überdurchschnittlich warm und relativ trocken. Die Temperaturen im Jahresverlauf überspannten Differenzen von gut über 50 Grad.

Für Amelie (links) und Leonie reicht der Schnee in Letzau (Kreis Neustadt/WN) am Dienstag schon zum Schlittenfahren.
von Andy NeumaierProfil

Das Wetterjahr 2020 bot viel Abwechslung, war aber insgesamt in seinen Auswirkungen und Eskapaden etwas beseelter unterwegs als 2018 und 2019. Das große Thema Dürre konnte jedoch auch in diesem Jahr nicht weggeregnet werden. Hierzu bräuchte es für tiefere Bodenschichten gut und gerne 2 bis 3 Monate lang durchgehenden "Landregen". Den Hauptschaden hatte hier aber 2018 angerichtet.

Dabei hatte das Jahr gut begonnen. Zwar fehlte der Winter, und Schnee gab es nur kurzzeitig, aber Regen fiel vor allem im Februar mehr als reichlich. In Weiden kamen allein im zweiten Monat des Jahres mit 129 Liter pro Quadratmeter stolze 300 Prozent des langjährigen Solls vom Himmel. Mit einer Mitteltemperatur von fast +5 Grad war es allerdings auch viel zu warm für die Jahreszeit, und Frost gab es nur selten.

Im Frühjahr wendete sich das Blatt, und es wurde über weite Strecken sonnig und trocken. März, April und Mai waren allesamt deutlich heller als gewöhnlich, die monatliche Sonnenausbeute zwischen 110 und 180 Prozent des Üblichen. Die Temperaturen ließen sich allerdings Zeit, und erste richtig warme Tage von über 25 Grad kamen nach pünktlichen Eisheiligen im offiziellen meteorologischen Frühling in Weiden beispielsweise noch nicht zustande.

Sommer erst im Juni

Erst im Juni war es dann doch endlich soweit, um gleich darauf aber doch erst einmal wieder einzuknicken. Es wurde unbeständiger, und der klassische Verlauf einer Schafskälte brachte in mancher Nacht sogar weniger als 5 Grad. Mitte Juli und im August konnten wir dann Hochsommerwetter genießen, und zwar genau da, wo es hingehört: in der Ferienzeit. Die höchsten Temperaturen des Jahres lagen bei 36 Grad in Amberg, Weiden hat nicht einmal die 35 Grad-Marke erreicht. Insofern blieben Rekorde in diesem Jahr doch aus, zumindest vorerst. 2018 war hier nämlich mit nahe 40 Grad doch wesentlich "verhaltensauffälliger". Die Sonne lieferte dafür aber auch in jedem Sommermonat etwas mehr, als es das langjährige Soll "vorschreibt".

Trockener November

Der Herbst kam dann ebenfalls pünktlich wie die Maurer im Laufe des Septembers, und brachte vor allem mit dem Oktober noch einmal Regenfälle. Hier konnten immerhin 150 Prozent des Monatssolls registriert werden, während es sonst viel zu trocken blieb. 12 bis 20 Liter je Quadratmeter gab es im November im Schnitt, dafür aber 70 Stunden Sonnenschein. Der berühmte goldene Oktober verschob sich somit kurzerhand auf die Zeit nach Allerheiligen, auch weil die Temperaturen in Amberg noch einmal über 20 Grad erreichten. Dies war dann zum Ende eben doch noch einmal ein Rekord. Zuletzt hatten wir dann mit dem Dezember auch den ersten Schnee zu Gesicht bekommen.

Insgesamt endet 2020 etwa 2,5 Grad wärmer als der langjährige Durchschnitt. Wir hatten bis zu 61 Tage mit 25,0 Grad oder mehr, und noch 17 Tage mit 30,0 Grad oder mehr. Im Mittel der Oberpfalz fielen etwa 600 Liter Regen je Quadratmeter, was etwa 85 Prozent des Solls entspricht. Allerdings waren hier Februar und Oktober maßgeblich beteiligt, während viele der anderen Monate sehr trocken ausfielen.

90 Tage Frost

Es gab bis zu 90 Tage mit Frost, aber nur 7 davon auch tagsüber unter dem Gefrierpunkt. Etwa 150 Regentage standen einer Ausbeute von 1720 Stunden Sonnenschein gegenüber. Letzteres ist etwa 10 Prozent mehr als gewöhnlich, was aber ja schon 170 Stunden sind. Bei einer durchschnittlichen täglichen Sonnenscheindauer von 10 Stunden wären das 17 sonnige Tage mehr als sonst.

Alles in allem ging 2020 etwas "gewöhnlicher" und mit besserem Timing über die Bühne, was Eisheilige, Schafskälte und Co. anging. Vielleicht gibt es auch mal wieder etwas mehr Winterwetter, die Chancen stehen vor allem nach Weihnachten dafür gar nicht so schlecht.

Andy Neumaier zum Thema Unwetter

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Zur Person:
Andy Neumaier

Andy Neumaier liebt und lebt das Wetter. Der gebürtige Mitterteicher arbeitet seit seiner Ausbildung beim Deutschen Wetterdienst aktuell beim Geophysikalischen Beratungsdienst der Bundeswehr, und ist als Medien-Meteorologe neben Radiosendern auch seit vielen Jahren für Oberpfalz-Medien tätig.

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