17.05.2021 - 17:53 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Noch Kita oder schon Schule? Was Weidener Eltern heuer Sorgen macht

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Wer von Juli bis September sechs Jahre alt wird, darf auf Antrag der Eltern noch im Kindergarten bleiben. In Weiden haben diese Option heuer viele Eltern gewählt. Woran liegt das? Grundschulen und Kindergärten gewähren Einblick.

Für die Eltern der Kinder im Kann-Korridor war die Einschulungs-Entscheidung heuer keine leichte.
von Florian Bindl Kontakt Profil

321 Kinder starten im September an den Weidener Grundschulen ihre Schullaufbahn. Eine vorläufige Zahl, erklärte Schulamtsdirektorin Christine Söllner Mitte April. Wie das kommende Schuljahr abläuft, kann derzeit niemand treffsicher einschätzen, die Pandemie. Distanz, Wechsel oder voller Präsenzunterricht, wer weiß das schon? Oberpfalz-Medien hat deshalb bei einigen Grundschulen in der Stadt nachgefragt, ob die instabile Gemengelage einen Einfluss auf die Entscheidung der Eltern hatte, ihr Kind einzuschulen.

Konkret geht es um den sogenannten Kann-Korridor. Kinder, die zwischen dem 1. Juli und 30. September sechs Jahre alt werden, sind nicht zwingend zum kommenden Schuljahr schulpflichtig. Seit zwei Jahren haben sogar die Eltern das volle Entscheidungsrecht darüber, ihr Kind weiterhin in den Kindergarten gehen zu lassen. Ob diese Option während der Pandemie häufiger genutzt wurde?

Zahlen "sehr hoch"

Erste Nachfrage beim Schulamt: Ein solcher Effekt sei nicht bekannt, allerdings lägen auch noch keine vollständigen Zahlen zu den Kann-Korridor-Entscheidungen vor. Dieselbe Antwort kommt von der Regierung der Oberpfalz. Für das kommende Schuljahr sei noch keine Aussage möglich. Allerdings seien im Regierungsbezirk im vergangenen September weniger Kinder eingeschult worden als erwartet. Die genauen Gründe kenne man aber nicht, sie würden auch nicht gesammelt erfasst.

Die Anträge auf Verschiebung der Einschulung um ein Jahr landen bei den Schulen. Im Kann-Korridor ist es nur Formsache, dass sie durchgewunken werden. "Freilich bieten wir den Eltern immer eine fachliche Beratung an", versichert Matthias Holl, Rektor der Hans-Sauer-Schule. Zum Kann-Korridor sagt er: "Bei uns waren die Zahlen letztes Jahr sehr hoch – und sie sind es auch in diesem Jahr." In Zahlen: Von 18 Korridor-Kindern wurden im vergangenen Jahr 11 auf Antrag der Eltern nicht eingeschult. In diesem Jahr waren es 16 von insgesamt 21 Korridor-Kindern.

Denselben Effekt bestätigt die Gerhardinger-Grundschule. Hier hätten weit mehr als die Hälfte der berechtigten Eltern den Korridor in Anspruch genommen. Ebenso an der Clausnitzerschule, wenngleich Rektor Johannes Arndt keine genauen Zahlen nennen wollte. Von einem allgemeingültigen Effekt zu sprechen, wäre allerdings verfrüht. Weder an der Hans-Schelter-Schule, noch an der Rehbühlschule habe es einen Anstieg gegeben.

Unsichere Zeiten zum Schulstart

Dennoch: Eine Tendenz ist erkennbar. Woher rühren nun die steigenden Zahlen bei den drei Grundschulen? Rektor Holl hält den Anteil nicht nur für sehr hoch, sondern auch für "sehr verständlich". Man wisse einfach nicht, wie es weitergeht, da sei es nachvollziehbar, dass sich Eltern "unter solchen Umständen Gedanken machen". Alexandra Wildenauer, Leiterin der Gerhardinger-Grundschule, berichtet von Gesprächen mit Eltern, in denen es explizit um den Schulanfang während der Pandemie ging. "Viele gaben schließlich als Grund an, ihrem Kind in der unsicheren Zeit nochmal ein Jahr Kindergarten geben zu wollen."

Zugleich ging es auch um die Kindergarten-Zeit. "Es hat zu viel gefehlt, die ganzen Vorarbeiten auf die Schule." Vorschul-Aufgaben, Schulbesuche, nichts davon habe stattfinden können. Laufen gerade jüngere Kinder, die demzufolge im Kann-Korridor liegen, also Gefahr, pandemiebedingt noch nicht schulreif zu sein? Wildenauer stimmt zu. "Und die Eltern sind sehr verunsichert." Das sei in den Beratungsgesprächen im Zuge der Einschreibung deutlich zu spüren gewesen.

Ängste der Eltern?

Wenn mehr Kinder, die eigentlich zur Schule gegangen wären, im Kindergarten bleiben: Bekommen die Kitas und Kindergärten dann ein Platzproblem? Schließlich rücken wieder neue Kinder nach. Noch mache der Mehrbedarf keine Probleme, sagt Jasmin Dietl. die den Kindergarten St. Michael leitet. "Der Korridor wird schon wahrgenommen, das merken wir. Aber wir haben genug Zeit, um unsere Gruppen zu planen." Auch sie vermutet "Ängste der Eltern" hinter den steigenden Zahlen.

Im Kindergarten Herz Jesu bleibe nur ein einziges Kind aus dem Korridor. "Tragisch ist das natürlich nicht", lacht Leiterin Tanja Zwack. In Sachen Schulreife macht sie sich ebenfalls keine großen Sorgen. "Viele meiner Vorschul-Kinder waren in der Notbetreuung." Sie konnten also immerhin noch ein bisschen Kindergartenluft schnuppern, bevor es im September für sie losgeht.

So lief die Schuleinschreibung in Weiden und im Kreis Neustadt

Weiden in der Oberpfalz
Hintergrund:

Einschulung: Wer muss wann?

  • Ausschlaggebend für die Schulpflicht ist immer, wann das Kind sechs Jahre alt wird.
  • Vor dem 1. Juli: Schulpflicht, wenn kein ärztliches oder psychologisches Gutachten eine Rückstellung empfiehlt.
  • Zwischen dem 1. Juli und 30. September: Kann-Korridor, Eltern können selbstständig entscheiden, ob ihr Kind ein weiteres Jahr im Kindergarten bleiben soll.
  • Zwischen dem 1. Oktober und 31. Dezember (also bereits nach Schulstart): keine Schulpflicht, Kind kann aber auf Antrag der Eltern vorzeitig eingeschult werden.
  • Ab 1. Januar des Folgejahres: keine Schulpflicht, für die vorzeitige Einschulung ist ein schulpsychologisches Gutachten erforderlich.

 

 

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