21.07.2021 - 19:28 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Delta-Variante: Zweite Impfung für Johnson & Johnson?

So viel ist bereits klar: Die Delta-Variante verringert den Immunschutz gegen das Coronavirus. Insbesondere Johnson & Johnson könnte weniger wirksam gegen die neue Variante sein. Was das für kommende Impfungen bedeuten kann.

Die Impfstoffe Moderna, Astrazeneca und Biontech stehen nebeneinander. Die Stiko empfielhlt Kreuzimpfungen im Zusammenhang mit Astrazeneca. Wie sieht das mit Johnson & Johnson aus?
von Wiebke Elges Kontakt Profil

Der Vorteil der einmaligen Impfung des Johnson & Johnson Impfstoffs könnte durch die neue Delta-Variante nun doch Nachteile bringen. So sind die beiden Vektorimpfstoffe Johnson & Johnson und Astrazeneca gegen die Delta-Variante weniger wirksam, sagt Impfexperte Dr. Klaus Ebenburger aus Amberg. Ebenburger impft deshalb seine Patienten nicht mit Johnson & Johnson gegen das Coronavirus. Als weiteren Nachteil sieht er die stärkeren Nebenwirkungen. „Bei Johnson & Johnson hat fast jeder Nebenwirkungen.“ So seien beispielsweise Kopfschmerzen bei dem Impfstoff Johnson & Johnson weitaus stärker als bei anderen. Auch Hausarzt Matthias Loew aus Weiden sagt, dass er den Impfstoff Johnson & Johnson momentan nicht verimpft. Grund: Der Impfstoff komme momentan nicht in der Praxis an. „Für die nächsten Wochen ist schon gesagt, dass Johnson & Johnson nicht in die Praxen kommen wird.“ Dennoch sehen beide Ärzte Auffrischungsimpfungen in der nächsten Zeit als wahrscheinlich.

Auffrischungsimpfungen

Ebenburger betont, dass zwischen der Grundimmunisierung und Auffrischungsimpfungen zu unterscheiden gilt. Auffrischung bedeutet „dass eventuell in einem halben Jahr noch eine Impfung notwendig ist.“ Der Impfexperte sagt, dass „bei Johnson & Johnson momentan keine weitere Impfung nötig ist. Der Impfstoff muss nur einmal verimpft werden. Dann ist die Grundimmunisierung abgeschlossen. Das ist ein Vorteil.“ Allerdings weiß momentan niemand, ob sich das bald ändert, so Ebenburger. „Dafür muss die Ständige Impfkommission eine Empfehlung abgeben.“

Gesundheitsminister Holetschek verwies bereits auf einen Beschluss der Gesundheitsministerkonferenz, der die Stiko und das Bundesgesundheitsministerium auffordert, eine Empfehlung für Auffrischungsimpfungen abzugeben. Dies betrifft dem Beschluss zufolge sowohl Personen, die zweifach mit Astrazeneca oder einmal mit Johnson & Johnson geimpft wurden. Dabei geht es auch um die Frage, ob und wann bei den mRNA-Impfstoffen wie Biontech oder Moderna eine dritte Impfung notwendig ist und ob diese auch mit Astrazeneca erfolgen könne. Ebenburger geht davon aus, dass im Herbst die ersten Menschen eine Auffrischungsimpfung brauchen, „da die Antikörper irgendwann wieder verschwinden.“ Nach einem halben bis dreiviertel Jahr geht der Impfexperte davon aus, dass Auffrischungsimpfungen nötig sein werden. „Dafür gibt es allerdings noch keine offizielle Empfehlung. Man muss weitere Studienergebnisse abwarten.“

Hausarzt Loew sagt, es war von vornherein klar, dass die Grundimmunisierung nicht ausreicht. „Nach einer Zeit muss aufgefrischt werden.“ Wann genau das der Fall ist, kann er noch nicht sagen. „Wir befinden uns eigentlich noch in der Zulassung.“ So würde eine Zulassung normalerweise drei Jahre dauern. „Jetzt sobald die ersten Leute ein Jahr geimpft sind, müssen erste Daten aufkommen. Jetzt wird sich zeigen, ob der Impfstoff nach einem Jahr aufgefrischt werden muss.“

Kreuzimpfungen

Um die Wirksamkeit einer Impfung zu erhöhen, empfiehlt Impfexperte Ebenburger sogenannte Kreuzimpfungen. Im Vergleich zu anderen Impfstoffen hat Johnson & Johnson nur eine Schutzwirkung von 65 Prozent. Biontech und Moderna haben einen Schutz von 80 bis 85 Prozent, sagt Ebenburegr. „Das bedeutet, dass von 100 Menschen beispielsweise 85 Menschen kein Corona bekommen.“ Vor allem bei Astrazeneca sieht Ebenburger Kreuzimpfungen als sinnvoll an. Dazu rät auch die Stiko. Das heißt die erste Impfung soll mit „Astrazeneca geimpft werden und dann als zweiten Impfstoff Biontech,“ sagt Ebenburger. Auch auf den Vektorimpfstoff Johnson & Johnson könnte ein mRNA Impfstoff folgen, so der Impfexperte. Die Stiko habe hierfür allerdings auch noch keine Empfehlung ausgesprochen.

Auch Hausarzt Matthias Loew aus Weiden bestätigt eine geringere Wirksamkeit von Johnson & Johnson gegen das Coronavirus. Allerdings betont er, dass es einen Unterschied zwischen der Wirksamkeit gegen die Infektion und der Wirksamkeit gegen komplizierte Verläufe gibt. „Die Vektorimpfstoffe haben beide eine sehr gute Wirksamkeit gegen komplizierte Verläufe. Ganz Platt gesagt, man landet nicht auf der Intensivstation.“ Astrazeneca schütze vor einem schweren Verlauf bis zu 100 Prozent. „Ähnlich hoch schützt auch Johnson & Johnson vor einem schweren Verlauf.“ Auch hier gibt es allerdings zu wenige Daten, da der Impfstoff Johnson & Johnson im Vergleich zu den anderen Impfstoffen wenig in Deutschland verimpft wird, sagt Loew. „Die Daten, die es da gibt, sind Daten aus der echten Anwendung.“ Loew meint allerdings, dass Astrazeneca nach der ersten Impfung auch bereits eine Wirksamkeit von 65 Prozent hat, weshalb er es generell als sinnvoll sieht auch eine zweite Impfung bei Johnson & Johnson einzusetzen.

Kreuzimpfungen sieht Loew insgesamt als logisch an. Bei einem Vektorimpfstoff wie Johnson & Johnson „wird ein Trägervirus in den Körper gespritzt. Das Trägervirus ist ein harmloses Virus.“ Loew sagt es ist gut vorstellbar, dass der Körper auch gegen das Trägervirus eine Immunität entwickelt. Das würde bedeuten eine zweite Impfung mit demselben Trägervirus wirke im Körper nicht mehr. „Der Körper vernichtet das Trägervirus bevor es in der Zelle ankommen kann.“ Als gutes Beispiel nennt Loew den Sputnik Impfstoff. Hier ist das Trägervirus der zweiten Impfung ein anderes, sagt der Hausarzt.

Impfstoff anpassen

Impfexperte Ebenburger meint, dass sich die Coronaviren in der Zukunft immer weiter verändern. Das bedeutet im Umkehrschluss, dass auch der Impfstoff sich auf die jeweiligen Varianten anpassen muss, so Ebenburger. Das bestätigt auch Loew. Er sagt, dass Moderna den Impfstoff bereits weiterentwickelt, um ihn so für die brasilianische Variante anzupassen.

Impfbereitschaft für andere Impfungen

Weiden in der Oberpfalz

Die Regierung der Oberpfalz teilt folgende Impfstofflieferungen an die Impfzentren mit:

 

 

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