18.10.2020 - 14:03 Uhr
TirschenreuthOberpfalz

Thriller in Stadtbücherei Tirschenreuth: Im Auftrag des Staates lügt es sich besser

Spannung pur zwischen der historischen Dampfmaschine und den Bücherregalen: Autor Horst Eckert hat in der Bücherei seinen neuen Thriller „Im Namen der Lüge“ vorgestellt.

Autor Horst Eckert versteht es hervorragend, wahre Politik in seine fiktiven Thriller einzubauen. Das erfordert Erklärungen einerseits bei den Lesungen und vom Leser selbst viel Aufmerksamkeit.
von Ulla Britta BaumerProfil

Auch ein Buchautor hat unter Corona zu leiden. Am 9. März hat Horst Eckert seinen neuen Thriller herausgebracht. Vorstellen konnte er ihn in der Stadtbücherei erst jetzt. Dass diesmal nur zehn Leute Eckerts spannender Vorlesung lauschten, lag gewiss nicht am Buch des in Pressath aufgewachsenen Schriftstellers. Büchereileiterin Cornelia Kolzenburg durfte wegen der Abstandsregelung nicht mehr Gäste einlassen.

Kolzenburg begrüßte den Schriftsteller und die kleine Runde nicht weniger herzlich. Nicht fehlen durfte die grüne Leselampe, die es möglich machte, die Bücherei in Dämmerlicht zu legen. Derart gut vorbereitet begann der spannende Eckert-Abend mit einer Einführung des Autors über sein Leben als Schriftsteller. Er erinnerte sich an sein erstes Werk „Annas Erbe“, das nur deshalb entstanden sei, weil ihm beim Krimilesen manche Lektüre zu fad gewesen sei. „Ich wollte nie als Kind Schriftsteller werden“, sagte Eckert. Sein Traumberuf Journalist, den er in Düsseldorf 15 Jahre ausübte, hilft ihm heute bei der gründlichen Recherche, was für seine Politthriller ausgesprochen nützlich ist.

Eckert ist ein Autor, der sich wunderbar verzetteln kann in unterschiedlichen Schauplätzen, Menschenschicksalen und jeder Menge wichtigen Protagonisten. Das verlangt dem Leser einiges an Aufmerksamkeit ab, was aber weder den Lesefluss noch die Spannung nimmt. Dass der Autor bei seiner Arbeit aktuelle politische Brennpunkte aufgreift und geschickt in sein Fantasiewerk einbaut, macht ihn zu einem außergewöhnlichen Krimiautor.

Der Titel „Im Namen der Lüge“ steht für die Arbeit des Geheimdienstes, in die der Leser auf 574 Seiten Einblicke bekommt, die durchaus realistisch scheinen. Mitten im Geschehen taucht wieder eine "Rentner-Gang" der RAF auf. Einen realen Überfall der in die Jahre gekommenen Terroristen hat Eckert bereits genüsslich in ein Vorgängerbuch integriert. Diesmal taucht das RAF-Mitglied Herlinde Weiß, 53 Jahre alt, aus dem Untergrund bei ihrem ehemaligen Lebenspartner Lars Nickl auf. Der wiederum arbeitet für den Geheimdienst.

Vor der Kulisse der historischen Dampfmaschine in dre Bücherei steigt die Spannung: Geht Lars auf Herlindes Angebot ein, die Beziehung aufleben zu lassen? Eckerts Leseauszug endet damit, dass die Terroristin die Einladung zum Übernachten ausschlägt. Viele Seiten weiter findet Kriminalkommissar Vinzenz Veith – er ist immer dabei in Eckerts Thriller – Herlindes Leiche. Auch hier macht Eckert geschickt einen Stopp. Wer mehr wissen will über uralte Beziehungsdramen oder weibliche James Bonds wie die dunkelhäutige Melia, muss sich das Buch besorgen.

Tief taucht der Autor in die Intrigenwelt der Politik ein, konstruiert geschickt „normale“ Morde, die plötzlich Teil von Weltpolitik werden und führt seine Zuhörer zu knisternden Spannungsmomenten. Sehr leise ist es geworden in der Bücherei, als Eckert sein Werk zuklappt und lächelnd aufschaut: „Wer hat noch Fragen?“ Die gibt es. Sie drehen sich nicht allein um den Buchinhalt. Ein kurzer Diskurs entbrennt über fragwürdige Politikpraktiken. Die „professionellen Lügen“ der Geheimdienste werfen ausreichend Diskussionsbedarf auf. Manchmal, sagt Eckert, habe er nach seinen Recherchen fürs Buch selbst Zweifel an den Staatspraktiken. „Macht lädt zu Missbrauch geradezu ein. Und geheime Macht noch viel mehr.“

Cornelia Kolzenburg bedankte sich herzlich bei Eckert und den Zuhörern fürs Kommen. Vielleicht bald wieder? Eckerts Thriller Nummer 17 geht noch in diesem Herbst in Druck, Erscheinungstermin ist März 2021.

2016 las Horst Eckert in Tirschenreuth aus seinem NSU-Thriller "Wolfsspinne"

Eckerts jüngstes Werk "Im Namen der Lüge" ist mit 574 Seiten sein umfangreichstes Buch.
Nach der Lesung ließen sich einige der Zuhörerinnen ihr persönliches Exemplar vom Autor signieren.
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