16.09.2021 - 17:27 Uhr
TirschenreuthOberpfalz

Logenplatz in atemberaubender Bergkulisse

Mit der Karlsbader Hütte verfügt die nördliche Oberpfalz über ein hochalpines Schutzhaus mit böhmischer Geschichte. Aus der einst unbewirtschafteten Schutzhütte ist inzwischen eine gemütliche Unterkunft in den Lienzer Dolomiten geworden.

Die Karlsbader Hütte liegt inmitten eines grandiosen, natürlichen Amphitheaters am Laserzsee.

Von Gunther Lehmann

Unter den großen Schutzhäusern der ostbayerischen DAV-Sektionen nimmt die Karlsbader Hütte eine besondere Stellung ein. Allein schon ihre exponierte Lage auf 2260 Metern Höhe inmitten schroffer Wände und hoher Felstürme der Lienzer Dolomiten überwältigt den Bergsteiger auf seinem Weg hinauf in den Laserzkessel. Wer hier heroben einmal angekommen ist, steht inmitten eines gigantischen, natürlichen Amphitheaters, in dem der Laserzsee an strahlenden Spätsommertagen die Kulisse des schindelverkleideten Holzgebäudes vor den zahlreichen Dreitausendern Osttirols und einem tiefblauen Horizont widerspiegelt.

Die Karlsbader Hütte blickt auf eine wechselvolle Geschichte zurück. 1906 von der noch jungen Sektion Karlsbad des Deutschen Alpenvereins erworben, bauen die böhmischen Bergkameraden das ehemals Leitmeritzer Hütte genannte unbewirtschaftete Schutzhaus kontinuierlich aus und erweitern das Wanderwegenetz im Laserzgebiet. Die Jahrzehnte zwischen den Weltkriegen bis in die 1950er bringen auch für die Karlsbader Hütte einen wilden Wechsel territorialer Zugehörigkeiten, bis das für die vertriebenen Sudetendeutschen bedeutungsvolle Haus am 26. Juni 1957 wieder dem Deutschen Alpenverein Karlsbad e.V. mit Sitz in München rückübereignet wird. Erst 2003 wird der Sektionssitz von München nach Tirschenreuth verlegt, so dass die nördliche Oberpfalz seither über ein hochalpines Osttiroler Schutzhaus mit böhmischer Geschichte verfügt.

Schutzhaus mit Komfort

Seit mehr als 16 Jahren bewirtschaftet das Hüttenwirts-Ehepaar Edith und Rupert Tembler aus der Osttiroler Gemeinde Kals die Karlsbader Hütte. Die beiden halten gerne Kontakt zur Heimatsektion und waren in Vor-Corona-Zeiten schon oft zu Besuch in Tirschenreuth und Umgebung. „Da sind schon einige Freundschaften entstanden“, berichtet Rupert Tembler. Als „einen der schönsten Arbeitsplätze, die man haben kann“, bezeichnet der 64-jährige Berg- und Skiführer die Karlsbader Hütte. Das Haus strahle Gemütlichkeit aus, man atme die Tradition und sei dennoch – dank der zahlreichen Sanierungen und Erweiterungen – in einem modernen Schutzhaus der Kategorie I untergebracht. Im großen, gemütlichen Gastraum flackert der Holzofen und auf der großzügigen Holzterrasse kann der Besucher mit einem Glas Wein grandiose Sonnenuntergänge erleben. In den Mehrbettzimmern stehen 58 Schlafplätze zur Verfügung und weitere 43 Matratzenlager. Die Sanitäranlagen sind großzügig und modern und es gibt einen Seminarraum, WLAN und guten Handy-Empfang. Die Küche ist deftig, regional und originell und erfüllt alle Wünsche des ausgehungerten Bergsteigers nach einem anstrengenden Tag.

Die wahren Schätze der Karlsbader Hütte sind aber nicht ihre inneren Werte, sondern vielmehr die Vielzahl an alpinistischen Möglichkeiten vor ihren Türen, die darauf warten, entdeckt zu werden. Schon beim Zustieg hat der Bergfreund die Qual der Wahl: Von der Dolomitenhütte auf 1620 Metern über dem Örtchen Tristach führt ein leichter Wanderweg in etwa zwei Stunden Gehzeit über 640 Höhenmeter vorbei an der berühmten Laserzwand hinauf zur Karlsbader Hütte. Hier kann man einen Blick auf die von Bergsteigerlegende David Lama erstbegangene Zehn-Seillängen-Route „Safety Discussion“ werfen, die mit Schwierigkeiten bis in den zehnten Grad durch ein 15 Meter überhängendes Felsendach führt. Der wesentlich schwierigere Zustieg über den Rudl-Eller-Weg führt in dreieinhalb Stunden teils seilversichert über das Hohe Törl hinauf zur Hütte und erinnert an einen der bedeutenden Bergsteiger und Wirt der Karlsbader Hütte.

Weitblick vom Roten Turm

Die Vielzahl der Möglichkeiten rund um den Laserzkessel weiß auch Matthias Wurzer zu schätzen. Der 37-jährige Bergführer aus Kals am Großglockner führt seine Gäste gerne hier herauf. „Du kannst hier wandern, sportklettern, bergsteigen und all das in einer großartigen Landschaft“, schwärmt Wurzer über die großen und kleinen Abenteuer, in denen er seine Kunden auf Gipfel und Grate führt, die immer wieder mit einer großartigen Aussicht über das Iseltal bis in die Hohen Tauern mit dem Großvenediger überraschen. Einer der Klassiker im grauen, kompakten Kalkstein der Lienzer Dolomiten ist der Weg über die Bügeleisenkante hinauf auf den Roten Turm – eine Mehrseillängenroute im dritten bis vierten Schwierigkeitsgrad. Um zum Einstieg zu gelangen, muss man den Rudl-Eller-Weg im teils alpinen Gelände wieder etwas absteigen, bevor sich die Seilschaft einbindet und in eine plattige Wand einsteigt, die vielleicht an die glatte Fläche eines Bügeleisens erinnert, aber noch gar nichts von einer Kante hat. Von hier gelangt man schon bald zur Schlüsselstelle der elf Seillängen hohen Route, eine Querung mit mehreren Aufschwüngen, bei denen man die Beine weit ausstellen muss und viel Luft unter die Fersen bekommt. Neben modernen Bohrhaken dienen auch immer wieder merkwürdige rote Stahlkrallen als Sicherungspunkte für das Seil. „Das sind die alten Theniushaken, aber die halten noch gut“, erklärt Matthias Wurzer. Alfred Thenius war Bauingenieur und in seiner Schaffenszeit unter anderem verantwortlich für den Bau der Felbertauernstraße. Als Alpinist engagierte er sich für die Erschließung der Lienzer Dolomiten und entwickelte dafür den sogenannten Thenius-Haken. Sein Einsatz brachte ihm die Ehrenmitgliedschaft in der Karlsbader DAV-Sektion.

Ein Bad im kühlen See

Ist die Schlüsselstelle überwunden, erreicht die Seilschaft die eigentliche Bügeleisenkante, die nach oben immer leichter werdend auf ein Plateau führt, auf der der noch einmal 100 Meter höhere Rote Turm thront – wuchtig, zerklüftet und unnahbar. Durch den zerklüfteten Schmittkamin geht es in weiteren vier Seillängen auf den 2702 Meter hohen Roten Turm, der unsere Mühen mit einem Blick in den tiefen Laserzkessel mit seinem tiefblauen Auge belohnt. Wer sich traut, kann sich auf dem Rückweg dann noch mit einem Sprung in das kühle Nass des Laserzsees belohnen, bevor es heim geht auf die Terrasse oder in die Gaststube der höchsten Alpenvereinshütte der nördlichen Oberpfalz, wo Edith und Rupert bereits mit Kaiserschmarrn und einem kühlen Radler warten.

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Service:

Die Karlsbader Hütte

  • Öffnungszeiten: Die Hütte ist Mitte Juni bis Ende September bewirtschaftet. Eine Reservierung der Schlafplätze wird empfohlen.
  • Kontakt/Reservierung: Hüttenwirtsleute Rupert und Edith Tembler, Telefon 0043/6649759998, E-Mail karlsbaderhuette[at]aon[dot]at; www.karlsbaderhuette.at (bei Übernachtung telefonisch reservieren). Eigentümer: DAV-Sektion Karlsbad e.V. Vorstand Gottfried Haas, Dr. Hauer Weg 7, 95643 Tirschenreuth, E.Mail: Gottfried.Haas[at]dav-karlsbad[dot]de, Tel.Nr. 09631/300971.
  • Anreise: Mit dem Auto über die Felbertauernstraße nach Lienz und von dort nach Tristach/Dolomitenstraße (mautpflichtig ab Kreithof). Gratis-Parkplatz bei der Dolomitenhütte. Mit öffentlichen Verkehrsmitteln bis Lienz. Nun weiter mit dem Wanderbus oder Taxi über Tristach und die Dolomitenstraße zum Parkplatz Dolomitenhütte. Informationen: www.bahn.de, www.oebb.at.
  • Gipfeltouren: Sandspitze (2486 Meter): teils über Klettersteig, Schwierigkeit A/B/C; Aufstieg: circa 2½ Stunden; Seekofel (2744 Meter): Klettersteig ab Ödkarscharte, Schwierigkeit A/B/C; Aufstieg: circa 2½ Stunden. Große Gamswiesenspitze (2488 Meter): mittelschwerer Wanderweg; Aufstieg: circa 3 Stunden.
  • Übergänge: Kerschbaumeralm (1902 m): Leichte Bergwanderung über Kerschbaumertörl; Gehzeit: ca. 1½ Std. Alternativ: Über Zochenpass; Gehzeit: ca. 2 Std.; Hochstadelhaus (1780 m): Mittelschwere Bergwanderung über den Drei-Törl-Weg (auch über Hochstadel-Gipfel möglich); Gehzeit: ca. 6 Std.
  • Wanderungen: Ödkarscharte (2596 Meter): leichte Bergwanderung; Aufstieg: circa 1 Stunde; Laserztörl (2497 Meter): leichte Bergwanderung; Aufstieg: circa 45 Minuten; Kerschbaumertörl (2285 Meter): leichte Bergwanderung; Aufstieg: circa 30 Minuten; Zochenpass (2260 Meter): leichte Bergwanderung über die Kerschbaumeralm; Aufstieg: circa 1½ Stunden; Laserzwand (2614 Meter): leichte Bergwanderung; Aufstieg: circa 1 Stunde.
  • Klettern: An den Laserz-Wänden sind zahlreiche Kletterrouten der Schwierigkeitsgrade II bis XI eingerichtet, die nahezu alle mit sehr kurzen Zustiegen erreichbar sind. Eine der leichten Klassiker in bestem Kalk ist zum Beispiel die berühmte Bügeleisenkante (III+, 11 Seillängen). In der Umgebung der Hütte befinden sich außerdem vier Klettergärten. Topos zu den Touren gibt es auf www.karlsbaderhuette.at und auf der Hütte.
  • Klettersteige: Seekofelsteig: Schwierigkeit B/C; Gesamtgehzeit: circa 3 Stunden, Kletterzeit: circa 2 Stunden; Madonnen-Klettersteig: Schwierigkeit B/C; Gesamtgehzeit: circa 3½ Stunden, Kletterzeit: circa 2½ Stunden; Laserzsteig: Schwierigkeit B/C/D; Gesamtgehzeit: circa 4 Stunden, Kletterzeit: circa 3 Stunden; Panoramasteig: Schwierigkeit B/C/D; Gesamtgehzeit: circa 5½ Stunden, Kletterzeit: circa 3 Stunden; Weittalspitze-Klettersteig (Allmeier-Toni-Weg): Schwierigkeit B/C; Gesamtgehzeit: circa 4½ Stunden, Kletterzeit: circa 2½ Stunden.
  • Weitwandern: Osttirol-360⁰-Skyline-Trail: 360 Kilometer weit umwandert man Osttirol in etwa 20 Etappen auf einer aussichtsreichen „Skyline“ von Hütte zu Hütte. Eine Station ist die Karlsbader Hütte. Infos: www.osttirol-360grad.at.
  • Karten und Kletterführer: Freytag & Berndt, Lienzer Dolomiten – Lesachtal – Villgrater Berge, WKS 182, 1:50.000; Kompass, Lienzer Dolomiten – Lesachtal – Karnischer Höhenweg, Blatt 47 182, 1:50.000; Grafik Zlöbl Klettern in den Lienzer Dolomiten – Auswahlführer von Sportklettergärten und Alpinklettertouren (Quelle: DAV Karlsbad)

 

 

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