24.04.2021 - 14:19 Uhr
SchwandorfOberpfalz

Wahlkreis Schwandorf-Cham: Englhardt-Kopf ist Direktkandidatin der CSU

Das Ergebnis war deutlicher als erwartet: Die Schwandorfer Zweite Bürgermeisterin Martina Englhardt-Kopf ist Bundestags-Direktkandidatin der CSU für den Wahlkreis Schwandorf-Cham. Sie setzte sich klar gegen Matthias Scherr durch.

von Clemens Hösamer Kontakt Profil

Martina Englhardt-Kopf zieht für die CSU in den Wahlkampf um das Bundestags-Direktmandat im Wahlkreis 234 Schwandorf-Cham. Die Zweite Bürgermeisterin der Großen Kreisstadt Schwandorf erhielt bei der Delegiertenkonferenz am Samstagvormittag in der Oberpfalzhalle 96 der 160 abgegebenen Stimmen. Ihr Konkurrent, der Chamer Kreisrat Matthias Scherr, kam auf 64 Voten.

"Das starke Ergebnis freut mich natürlich sehr", sagte Englhardt-Kopf in einer ersten Reaktion. "Jetzt gilt es, gemeinsam gute Politik zu machen und die Themen gut zu besetzen." Sie erwartet einen ungewöhnlichen Wahlkampf, der Pandemie geschuldet. Die 39-jährige Diplom-Handelslehrerin hätte sich zwar "aus bayerischer Sicht" Markus Söder als Kanzlerkandidaten gewünscht. Aber: "Wir sitzen in einem Boot, und jetzt gilt es gemeinsam zu rudern."

Kompass als Symbol

Matthias Scherr, der am Samstag seinen 25. Geburtstag feierte, reagierte als fairer Verlierer: Er werde Martina Englhardt-Kopf nach Kräften unterstützen und sich weiter für die CSU engagieren. "Die Delegierten haben jetzt so entschieden. Ich werde am Ball bleiben", sagte Scherr. Der Volkswirt aus Rötz hatte nach einem Losentscheid als erster der beiden Kandidaten die Gelegenheit, fünf Minuten über seine Ziele zu sprechen. Mit einem Kompass als Symbol verdeutlichte er, dass er sich für den gesamten Wahlkreis, der neben den Landkreisen Cham und Schwandorf auch die Gemeinden Brennberg und Wörth an der Donau (Kreis Regensburg) umfasst, einsetzen werde. Konkret nannte er die Beeinträchtigungen durch den Süd-Ost-Link, den Lärmschutz beim Bahnausbau und verschiedene weitere Infrastrukturprojekte.

Wie seine Konkurrentin stammt er aus einer Landwirtschaft. Als Dozent für Volkswirtschaftslehre unterrichte er die Studenten in den drängenden wirtschaftlichen Fragen der Zeit, zu denen Scherr die Globalisierung, die Digitalisierung, den Klimawandel und auch die Migration zählte. "Es geht darum, etwas für die Menschen zu bewegen, ihre Lebensumstände zu verbessern," sagte der 25-Jährige.

Rot-rot-grün stehe vor der Tür. "Wir sind in der Krise, weil wir selbst zu oft unglaubwürdig waren." Etwa, weil nicht Manfred Weber als Kandidat, sondern Ursula von der Leyen Kommissionspräsidentin geworden sei. "Es gab Abgeordnete in unseren Reihen, die dem deutschen Volk verpflichtet sein sollten, aber doch ihrem Geldbeutel mehr verpflichtet waren", sagte er zur Maskenaffäre. Auch bei den Pandemiehilfen sei manchen falsch gelaufen. Das Vertrauen der Menschen wieder zu gewinnen, die Kraft der engagierten Mitglieder wieder auf die Straße zu bringen, werde die CSU zum Erfolg führen. Er sei tief den christlich-sozialen Grundwerten verpflichtet.

"Im Takt der Zeit halten"

Die Themen der Bürger in den politischen Prozess einzubringen und Lösungen zu finden, das nannte Martina Englhardt-Kopf als ihre Motivation. "Ich will unseren Wahlkreis im Takt der Zeit halten," sagte die 39-jährige Diplom-Handelslehrerin. Sie betonte ihre langjährige Erfahrung in der Kommunalpolitik. Die verheiratete Mutter zweier Kinder stellte zunächst soziale Themen in der Vordergrund, wie die Vereinbarkeit von Beruf und Familie und Generationengerechtigkeit. Ihre Familie habe sie in ihrem politischen Engagement immer unterstützt. Gepaart mit Leidenschaft, Durchsetzungskraft und "Nerven wie Drahtseilen" wolle sie eine "starke Stimme Ostbayerns in Berlin sein", sagte die Kandidatin.

"Die Menschen brauchen gute Ausbildungsperspektiven", sagte Englhardt-Kopf, die als Studiendirektorin bei der Regierung der Oberpfalz arbeitet. "Gute Beschäftigungsmöglichkeiten für die Menschen erreichen wir nur, wenn wir gute wirtschaftliche Rahmenbedingungen schaffen." Gerade jungen Menschen müssten Perspektiven geboten werden, egal ob für eine duale Ausbildung oder als Student oder Akademiker. "Es gilt, die digitale Infrastruktur schnell voranzubringen. Für die Familien genauso wie für die heimische Wirtschaft. Nur so können wir im Takt der Zeit bleiben."

Sie versprach, eine starke Ansprechpartnerin der Kommunen zu sein. "Ich kenne die Themen", sagte die Zweite Bürgermeisterin. Sie sprach explizit den Süd-Ost-Link an, der beispielsweise Brennberg in nicht hinzunehmender Weise tangiere. "Ich bin bereit die großen Herausforderungen, die vor uns liegen, tatkräftig anzupacken", sagte Englhardt-Kopf.

Staffelstab weitergegeben

Die Abstimmung der 160 Delegierten wurde mit einiger Spannung erwartet: Schließlich hat der CSU-Kreisverband Schwandorf in der Wahlkreiskonferenz nur eine hauchdünne Mehrheit mit 81 Delegierten. Das Ergebnis, das Wahlleiter Dr. Thomas Brandl verkündete, war in seiner Deutlichkeit überraschend.

Bundestagsabgeordneter Karl Holmeier, der zur Wahl im September nicht mehr antritt, übergab Martina Englhardt-Kopf symbolisch den Staffelstab, den er vor knapp zwölf Jahren von seinem Vorgänger Klaus Hofbauer im Frühjahr 2009 erhalten hatte. "Wenn wir alle zusammenhalten, werden wir bei diese schwere Bundestagswahl gemeinsam gut meistern". Holmeier hatte seinen Rückblick auf seine Bundestagsarbeit – der Pandemie geschuldet – auf ein herzliches Dankeschön an alle Mitstreiter beschränkt. "Jetzt müssen wir zusammenhalten", sagte Holmeier.

"Wir haben einen überzeugenden Personalvorschlag mit Martina Englhardt-Kopf unterbreitet, die aufgrund ihrer beruflichen und politischen Qualifikation gepunktet hat", sagte ein sichtlich zufriedener Alexander Flierl. "Jetzt werden wir im Wahlkampf alle anpacken und anschieben", sagte der Schwandorfer Kreisvorsitzende. Landrat Thomas Ebeling nannte das Ergebnis einen "großartigen Vertrauensbeweis für Martina Englhardt-Kopf." Jetzt gehe es mit Vollgas in den Wahlkampf.

Vorbericht: Englhardt-Kopf im Rennen für die CSU

Schwandorf
Hintergrund:

Fest in CSU-Hand

  • Alle seit 1949 direkt gewählten Bundestagsabgeordneten für den Raum Schwandorf gehörten der CSU an.
  • Seit der Gebietsreform gehören die Kreise Cham und Schwandorf zum Wahlkreis; bei der Wahl im September 2021 kommen die Kommunen Brennberg und Wörth an der Donau (Kreis Regensburg) dazu.
  • Von 1969 bis 1998 war Dr. Dionys Jobst aus Teublitz (Kreis Schwandorf) direkt gewählter Abgeordneter.
  • 1998 gewann Klaus Hofbauer (Kreis Cham) das Mandat.
  • Seit 2009 vertritt Karl Holmeier (Kreis Cham) die Region im Bundestag.
  • Martina Englhardt-Kopf ist die erste Frau, die die CSU für das Direktmandat nominiert hat.

"Die Delegierten haben jetzt so entschieden. Ich werde am Ball bleiben."

Matthias Scherr, unterlegener Kandidat des Kreisverbands Cham.

Matthias Scherr, unterlegener Kandidat des Kreisverbands Cham.

"Ich will unseren Wahlkreis im Takt der Zeit halten."

Martina Englhardt-Kopf, am Samstag nominierte Bundestagskandidatin der CSU

Martina Englhardt-Kopf, am Samstag nominierte Bundestagskandidatin der CSU

 

 

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