19.10.2021 - 10:57 Uhr
MarktredwitzOberpfalz

Es tropft und müffelt noch länger im Marktredwitzer Gymnasium

Es ist kein Geheimnis, dass der Gebäudezustand des Otto-Hahn-Gymnasiums in Marktredwitz nicht der beste ist. Weil sich die Generalsanierung aber verzögert, muss weiter kostspielig geflickt werden.

Die Toiletten, die weder optisch noch geruchlich begeistern, versprühen eher das Flair einer veralteten Bundeswehrkaserne.
von DTRProfil

Schon im Jahr 2015 war immer wieder Wasser über das undichte Flachdach in das Marktredwitzer Otto-Hahn-Gymnasium (OHG) eingedrungen. Seitdem hat sich der Zustand des Gebäudes aber noch weiter verschlechtert. Die Schüler beschweren sich über stinkende Toiletten und über Türen, die der Wind auf- und zuschlägt. Eigentlich sollte die 2019 ausgeschriebene Generalsanierung der Schule Mitte kommenden Jahres beginnen. Mehrere Faktoren haben bei den Planungen für das Großprojekt aber zu Verzögerungen geführt. Vor dem Frühjahr 2023 werden die Bauarbeiter keine Hand an das gut 60 Jahre alte Gebäude legen, zumindest nicht für Sanierungsarbeiten.

Weil die Generalsanierung rund vier Jahre dauern soll, ist mit einer Fertigstellung der Arbeiten vor 2027 nicht zu rechnen. Dann soll die Schule aber die modernste im gesamten Landkreis Wunsiedel sein. „Die Schulsanierungen – und der Landkreis hat übrigens 15 Schulen – gehören aktuell zu den größten Aufgaben“, sagt Landrat Peter Berek. Dabei müsse aber alles den formalen Anforderungen entsprechen. Zudem gebe es Abstimmungsbedarf mit den Beteiligten. Gerade das koste natürlich Zeit. „Aber selbstverständlich arbeiten wir hier mit Hochdruck – das gilt auch für das OHG.“

Nach der europaweiten Ausschreibung der Architekten- und Ingenieurleistungen im Jahr 2019 haben der Brand in der Fichtelgebirgsrealschule und die Corona-Pandemie zu Verzögerungen beim Sanierungsprojekt geführt. So kamen das Konsolidierungskonzept des Landkreises Wunsiedel und die notwendigen Abstimmungen mit dem Nutzer und den weiteren am Bau beteiligten Personen ins Stocken.

Wassereinbrüche

In diesem Jahr traten monatlich Defekte und Störungen im und am Gebäude auf. Wassereinbrüche am Dach, Rohrbrüche oder Verstopfungen in den Sanitäranlagen sind keine Seltenheit. Die Heizungsausfälle, mit denen Lehrer und Schüler noch vor Jahren zu kämpfen hatten, sollen aber mittlerweile Geschichte sein. „Früher gab es im Winter eigentlich nur zu warm oder zu kalt“, erinnert sich Schulleiter Stefan Niedermeier. „Es handelt sich bei der Schule trotz des Sanierungsbedarfs nicht um ein komplett marodes Gebäude, sondern eher um eine Wanderbaustelle. Das Gymnasium ist zwar in die Jahre gekommen, aber es wurde damals sehr hochwertig gebaut.“ Alleine die Aula sei wegen ihrer Form- und Farbvielfalt erhaltenswert. Auch die Akustik des Raumes werde immer wieder gelobt.

Trotzdem muss das Schulteam wohl bis zur Sanierung mit der Flickschusterei leben. Wenn ein Loch gestopft ist, regne es woanders rein. „Ich wusste schon 2016, als ich die Schulleitung übernommen habe, dass ich ein schönes, aber renovierungsbedürftiges Gebäude übernehme“, sagt Niedermeier. Schon damals sei die Generalsanierung im Gespräch gewesen. Mittlerweile liefen wohl sogar schon interne Wetten im Kollegium, ob die Sanierungsarbeiten bis zur Pension des Schulleiters im August 2027 abgeschlossen sein werden.

Kunststoffwannen stehen bereit

Nach einem Wassereinbruch in den Physik- und Chemieräumen kurz vor den Ferien wurden einige Schüler vorsorglich evakuiert, weil befürchtet wurde, dass Wasser in die Beleuchtung eingedrungen ist – dies war zum Glück nicht der Fall. Auch während des Kunstunterrichts soll wohl schon so mancher Tropfen die Werke der Kinder verschandelt haben. Auch wenn das Dach aktuell dicht zu sein scheint, zeigen sich bei einem Rundgang durch die Schule mehrere Wasserflecken an den Decken. Teilweise stehen sogar schon Kunststoffwannen für bevorstehende Wassereinbrüche parat. Weil die Gipskartondecken die Feuchtigkeit aufsaugen und zu schwer werden könnten, wurden manche Deckenverkleidungen komplett entfernt. Andere wurden akribisch mit Hunderten von zusätzlichen Schrauben gesichert.

Das Landratsamt muss ordentlich in die Instandhaltungsarbeiten am Gebäude investieren. Aus sicherer Quelle ist bekannt, dass alleine in den Sommerferien gut 14 unterschiedliche Handwerksunternehmen im Marktredwitzer Gymnasium beschäftigt waren. Seit Jahresbeginn wurden um die 60.000 Euro in Instandhaltung und Reparaturen im Gymnasium investiert. Auf die Frage, ob die Schadenshäufigkeit am Gebäude womöglich bis zum geplanten Sanierungsbeginn weiter zunehmen könnte, sind die Verantwortlichen beim Landratsamt zuversichtlich: „Im Moment ist nicht mit einer weiteren Zunahme zu rechnen.“ Ob diese Einschätzung realistisch ist, wird die Zeit zeigen. Laut internen Informationen müssen erfahrungsgemäß – meist im Frühjahr mit der Schneeschmelze und bei Regenfällen – mehrere Klassenräume für den Unterricht gesperrt werden.

Die Google-Bewertungen des Marktredwitzer Gymnasiums im Internet zeigen einen eindeutigen Trend: „Die Toiletten ... Also wenn man die schon mal sieht, kriegt man Augenkrebs.“ – „Altes Gebäude mit dreckigen Toiletten, schlechtem W-Lan, alter Technik …“ Ähnliche Meinungen wurden auch an den bisherigen Schulsprecher Christoph Weigel herangetragen: „Die Schüler wünschen sich ein schöneres Umfeld und keine Feuchtigkeitsflecken.“ Die Toiletten seien wegen der Optik und des Geruchs unzufriedenstellend. „Es gibt auch einige Türen, die sich nicht schließen lassen.“ Diese würden durch den Wind auf- und zuschlagen: „Das stört den Unterricht.“ Das W-Lan im Gebäude sei aber mittlerweile besser. „Früher konnte man im Unterricht nicht mal ein Lernvideo schauen.“ Eine allumfassende Erneuerung der IT-Infrastruktur durch die „Zentrale Systembetreuung“ des Landratsamtes ist für das Marktredwitz Gymnasium vor der Generalsanierung nicht geplant. Eine Inhouse-Verkabelung mit Lichtwellenleiter, die jetzt durchgeführt werden würde, müsste nämlich bei der Generalsanierung wieder herausgerissen werden.

Wenn die Sanierung beginnt, werden fehlende Räumlichkeiten durch eine „Containerschule“ ersetzt. „Als Standort ist das Areal der zum Abbruch vorgesehenen Jahnturnhalle I vorgesehen“, heißt es vom Landratsamt. Das Schulgebäude werde nach der Fertigstellung die technisch und energetisch modernste Schule im Landkreis Wunsiedel sein, und es sollen zukunftsweisende pädagogische Unterrichtskonzepte vermittelt werden können.

Vier Abiturienten verließen das Otto-Hahn-Gymnasium im Sommer mit der Traumnote 1,0

Marktredwitz
Die Flachdächer wurden schon mehrfach geflickt, sie werden immer wieder undicht und wirken wie ein Biologie-Experiment.
Die Wasserflecken an den Klassenzimmerdecken liefern höchstens in Form und Farbe kreative Ideen für den Kunstunterricht.

„Es handelt sich bei der Schule trotz des Sanierungsbedarfs nicht um ein komplett marodes Gebäude, sondern eher um eine Wanderbaustelle."

Schulleiter Stefan Niedermeier

 

 

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