29.06.2021 - 13:19 Uhr
KirchenthumbachOberpfalz

Torhaus, Josefshaus und Marktmauer: Abgerissene Kirchenthumbacher Bauwerke

Ein Bürgerentscheid verhinderte den Abriss des alten Schulgebäudes und des Elisabethenheimes in Kirchenthumbach. Andere Gebäude sind im Lauf der Zeit aber sehr wohl verschwunden.

Links der alte Pfarrhof. Daneben stand das Tor, das 1816 abgerissen wurde. Hinter dem Pfarrhaus ist das Turnerhaus zu sehen.
von Fritz FürkProfil

In der Kirchenthumbacher Geschichte sind bereits einige Gebäude abgerissen worden: Rathaus, Torhaus, Schloss, Burganlage, neuromanische Pfarrkirche, Pfarrhof, Josefshaus, Marktmauer und altes Rathaus neben der Kirche. In der neueren Geschichte hat ein Bürgerentscheid den Abriss des alten Schulgebäudes und des Elisabethenheimes verhindert. Hier ein Blick auf Gebäude, die nicht erhalten geblieben sind:

Ein Beispiel sind das Torhaus und die Marktmauer, einst die Sicherung und der Stolz der Bürger von Kirchenthumbach. Die Spuren der Marktmauer waren noch lange sichtbar. Letzte Reste befanden sich beim Anwesen Seigner (Schraml) am Eingang zum Burgring und im Pfarrgarten beim Josefshaus am Binsenrängel (heute Bachgasse). Die trutzige Mauer, gebaut aus Kalksteinen, Sandsteinen und Kallminzer (Buntsandstein), die meist auf den Feldern gesammelt wurden, zog sich vom Pfarrweiher (Bachgasse) hinauf bis zum Pfarrstadel und weiter bis zum Markttor.

Mit der Friedhofsmauer im Norden (jetzt Knopf/Pöllath) schloss sie den Burgring ein. Weiter ging die Befestigung bergab bis zum Thumbach. Der Ortsteil Windt (Wident) (Eschenbacher Straße, Bayreuther Straße und Bachgasse) lag außerhalb der Marktmauer, was darauf hindeutet, dass die Ansiedlung dieser Anwesen erst nach der Bau der Marktmauer erfolgt sein muss.

Torhaus mit Zoll

In den Ortskern gelangte man nur durch das Obere Tor, das überbaut war mit einem Torhaus. Untergebracht in dem Gebäude waren die Passkontrolle und die Zolleinnahme. Oben befand sich die Wohnung des Marktknechts, der bei beginnender Dunkelheit die schweren eisenbeschlagenen Türflügel schloss und mit starken Riegeln sicherte.

Nach einem historischen Aufsatz von Pfarrer Paulinus Fröhlich, verfasst im Jahre 1951, kam das Torhaus, nachdem es nicht mehr gebraucht wurde, in den Besitz des Schusters Wolf Schwarz. Dieser verkaufte es wieder an Simon Kroher. Zuletzt wohnte darin die Familie Reisner, die noch heute den Hausnamen Torma (Türmer) trägt. Eine Verbindung hatte der Türmer auch mit dem dahinter liegenden Wohnhaus der Familie Anna und Baptist Lehner, bei den Einheimischen bekannt unter dem Namen Nandl und Baptist Turner.

Das kinderlose Ehepaar vermachte das Anwesen der Kirche. Pfarrer Josef Bollmann wollte daraus ein Benefiziantenhaus machen. Nach seiner Pensionierung wollte er darin seinen Lebensabend verbringen. Soweit kam es aber nicht. Pfarrer Bollmann verstarb im Alter von 64 Jahren am 11. Januar 1964. Nach Fertigstellung des neuen Rathauses in der Bahnhofstraße wurde das Turnerhaus abgerissen. Geblieben ist der Name Turnerplatz, obwohl er als solcher nie offiziell benannt und durch den Gemeinderat bestätigt wurde.

Abriss verschoben

1814 wurde der Abriss von Amtswegen befohlen. Reisner forderte für das Türmerhaus die Vergütung des Kaufschillings in Höhe von 550 Gulden. Sollte die Gemeinde den Betrag nicht zahlen, forderte er ein neues Haus. Diese Forderung war dem Magistrat zu hoch, denn das Haus sei baufällig und keine 200 Gulden wert. Weil aber der Abriss keine Forderung der Polizei war, sondern von höherer Stelle kam, wurde der Abriss verschoben.

Als im Jahr 1816 das Rathaus abgerissen wurde, verschwand auch das Torhaus. Unbeantwortet bleibt die Frage, wie weit der Markt am Thumbach zwischen Stacherlhaus und Baderanwesen geschützt war. Fest steht, dass die Straße in Form einer Furt durch den Thumbach führte. Für Fußgänger vom Markt zum Krawandorf und zurück benutzten die Bürger einen Holzsteg. Noch heute sind Fahrtrechte, datiert im Jahre 1905, im Kataster eingetragen. 1949 wurde über den Thumbach eine massive Brücke gebaut, die auch für schwere Fuhrwerke nutzbar gemacht wurde.

Dank Bürgerentscheid: Schule in Kirchenthumbach bleibt erhalten

Kirchenthumbach

 

 

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