Trotz Corona: Auf die Weihnachtstrucker ist Verlass

Die Weihnachtstrucker sind immun gegen die Corona-Tristesse: Unverdrossen arbeiten Ulrich Bauriedl und seine Helfer in Högling, damit in gut drei Wochen der Geschenke-Konvoi Richtung Osteuropa starten kann.

Am Zweiten Weihnachtsfeiertag geht es wieder los: Die Weihnachtstrucker starten nach Rumänien.
von Uli Piehler Kontakt Profil

Es sieht gut aus in Ulrich Bauriedls Büro. "Wir sind ganz schön beschäftigt", sagt der Betriebsleiter bei der Firma Godelmann in Högling. Bei dem 56-Jährigen und seinem Team ist schon längst der Weihnachtstrubel ausgebrochen. Telefone klingen, Listen müssen ausgefüllt, Leute eingeteilt werden. Wie jedes Jahr laufen bei Bauriedl die Fäden der Weihnachtstrucker aus dem Raum Ostbayern zusammen. Dabei arbeitet er eng mit den Johannitern zusammen.

Gerade laufen die Vorbereitungen für den zweiten Päckchenkonvoi unter Pandemie-Bedingungen. Dass die Fahrer der Sattelzüge noch einmal Corona-Regeln einhalten müssen, habe sich im vergangenen Winter keiner vorstellen können. "Jetzt ist es tatsächlich so weit gekommen", resümiert Bauriedl. Auch wenn die Vorgaben nerven, ein Schaden ist die Pandemie für die Aktion nicht. Ganz im Gegenteil. "Die Spendenbereitschaft ist besser geworden. Es wurde 2020 auffallend mehr gespendet als die Jahre zuvor", blickt der Höglinger zurück. Ein Trend, den er auch heuer schon sieht.

Die negativen Schlagzeilen, die es um die ähnliche Aktion "Weihnachten im Schuhkarton" wegen ihrer Verbindungen zu evangelikalen Strömungen in den Vereinigten Staaten gegeben hat, wirken sich scheinbar nicht aus. Für Bauriedl ist es die 14. Weihnachtstrucker-Aktion. Den Weg zu den Zielorten der Lastwagen hat er aber weitaus öfter schon eingeschlagen. "Ich bin auch hin und wieder im Sommer im Rumänien, um nachzuschauen, wie es den Leuten geht", erzählt er. Über die Jahre sind enge Verbindungen gewachsen zu den Organisationen, die die Verteilung vor Ort sicherstellen, genauso wie zu Privatleuten. Eine davon ist eine Nonne: Margit von den Mallersdorfer Schwestern. "Zu ihr ist eine echte Freundschaft entstanden." Die Mallersdorfer Schwestern kümmern sich in Siebenbürgern um bedürftige Familien.

Nähe zu Trump-Unterstützern

Regensburg

Schwester Margit als Freundin

Die Pandemie erfordert ein striktes Management beim Päckchentransport. Die Gesundheit der Ehrenamtlichen steht an erster Stelle, Kontakte müssen auf ein Mindestmaß beschränkt werden. "Da bleibt das Miteinander leider auf der Strecke", bedauert Bauriedl. Normalerweise treffen sich die Fahrer und ihre Begleiter an den Zielorten gerne, essen und trinken gemeinsam und tauschen dabei Erlebnisse aus. "Das ist heuer, wie auch schon im vergangenen Jahr, nicht möglich."

Fotos und Videos aufs Handy

Am Zweiten Weihnachtsfeiertag starten von verschiedenen Orten in der Region aus zwölf Sattelzüge. Jeder Lastwagen wird von einem Auto begleitet. Jedes Gespann hat eine andere Zieladresse. Armenküchen sind darunter, Kindergärten, Seniorenheime, Gemeindeverwaltungen und sogar eine Polizeiinspektion. Geplant ist, dass alle Fahrzeuge am Vormittag des Folgetages, 27. Dezember, an ihren Zielorten eintreffen. "Dann laden unsere Partner aus Rumänien ab, unsere Fahrer schließen die Ladeklappe wieder und es geht wieder nach Hause." Bauriedl sagt: "Wir wissen, was das für Partner sind und was die Leute vor Ort brauchen. Dementsprechend beladen wir unsere Lkws." Das Feedback lässt dann nicht lange auf sich warten. Sobald ausgeladen wird, trudeln Fotos und Videos auf dem Handy ein. "Das ist eine tausendprozentige Geschichte."

Vor zwei Jahren fuhren die Weihnachtstrucker 16 000 Pakete nach Rumänien, vergangenes Jahr 17 000 und heuer sollen es 18 000 werden. Sie zu sammeln, ist ein riesiges logistisches Unternehmen. Über die ganze Oberpfalz und Niederbayern hinweg gibt es 300 Sammelstellen. Fast die Hälfte der Päckchen wird im Depot bei Godelmann in Högling zwischengelagert, bevor die Lastwagen beladen werden. Eine Idee, die sich im Corona-Winter 2020 bewährt hat, bieten Bauriedl und sein Team auch diesmal an: Wer selbst kein Paket packen will, kann einfach die Geldspenden dafür überweisen.

Högling Gemeinde Fensterbach
Hintergrund:

Die Weihnachtstrucker

  • Aus der Oberpfalz und Niederbayern starten am Zweiten Weihnachtsfeiertag zwölf Sattelzüge mit Geschenkpäckchen Richtung Rumänien.
  • Die Päckchen können von Spendenwilligen nach einer Packliste selbst bestückt und an 300 Sammelstellen abgegeben werden.
  • Es ist auch möglich, einen Geldbetrag zu spenden und die Päckchen von ehrenamtlichen Helfern in der Zentrale zusammenstellen zu lassen.
  • Alle weitere Infos zu Sammelstellen, Packlisten und Bankverbindung gibt es unter https://www.godelmann.de/de/news/weihnachtstrucker-2021
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