02.05.2021 - 10:05 Uhr
Gaisthal bei SchönseeOberpfalz

Gartendünger aus der Biogasanlage: Gaisthaler Landwirt geht neue Wege

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Neues für die Gartensaison 2021: Bei der Vorbereitung des Bodens für ein gutes Pflanzenwachstum können Hobbygärtner jetzt regional düngen. Ein Gaisthaler Landwirt bietet die getrockneten Gärreste seiner Biogasanlage als Naturdünger an.

Christian Braun mit Elias im Technikraum der neuen Trocknungsanlage.
von Gertraud Portner Kontakt Profil

Die Biogasanlage der Familie Braun in Gaisthal liefert nicht nur Strom und Wärme, sondern seit Jahresanfang auch organischen Naturdünger für die Gartenbesitzer der Region. Nachdem am Aussiedlerhof ein Teil der Abwärme übrig bleibt, und auch die Lagerkapazität für die Gärreste erreicht ist, werden seit Jahresanfang die Rückstände der Biogasanlage getrocknet. „Es ist ein hochwertiger Dünger und kein Abfallprodukt“, stellt Christian Braun klar. Mit der Trocknung werden im übrigen auch die Umweltbelastungen durch Verringerung von Schadgas- und Geruchsemissionen reduziert.

„Wir machen das, was die Politik haben will“, sagt Vater Johann Braun, „aber die Politik schwenkt immer um.“ 2009 wurde eine Biogasanlage außerhalb des Dorfes gebaut, aber diese Form der Erzeugung von regenerativer Energie sei jetzt in Verruf geraten. „Zu viel Mais“, laute der Vorwurf. 2016 bauten die Brauns einen neuen Stall für eine artgerechte Viehhaltung von rund 200 Tieren. „Jetzt passt das auch wieder nicht“, moniert der Senior.

„Wir produzieren für den Verbraucher hochwertige Nahrungsmittel sowie Energie und machen auch noch den Reststoff wertvoll“, sagt der Junior, der das getrocknete Material quasi als Rückfracht zu den Landwirtskollegen mitnimmt. Er finde es befremdlich, dass er „den Vogel gezeigt bekommt“, wenn er mit dem Güllefass unterwegs ist. Anstatt die „Rindergülle aus artgerechter Viehhaltung“ - auf diese Bezeichnung legt Christian Braun Wert - auf die Felder auszubringen, wird damit die Biogasanlage „gefüttert“. Die Anlage läuft mit 40 Prozent Gülle, 40 Prozent Mais und 20 Prozent Getreide/Wiesenschnitt. Im Herzstück der Anlage, in den Fermentern, erfolgt unter Luftabschluss der Abbau der organischen Substanz und die Bildung des Biogases. Dabei fallen neben dem Hauptprodukt Methan die Gärreste (rund 500 kg pro Tag) an. Diese werden auf landwirtschaftlichen Flächen zur Nährstoffversorgung der Kulturen, ähnlich des Wirtschaftsdüngers Gülle, ausgebracht.

Vollautomatische Anlage

Jetzt können auch alle Hobbygärtner den Naturdünger verwenden. Denn der Familienbetrieb hat für rund 350 000 Euro in eine vollautomatische Trocknungsanlage samt Pelletierung investiert. „Es ist ein rein biologischer Dünger, nachhaltig erzeugt und verpackt in einem Naturprodukt“, sagt Christian Braun, als er einen Papiersack (5 kg) mit den dunkelbraunen Pellets befüllt. In pelletierter Form sei nicht nur die Handhabung, sondern auch die Lagerung einfacher. In Kürze wird eine Absackanlage installiert.

„Von der Natur, für die Natur. Es ist der perfekte Dünger für Gemüse, Blumen, Rosen und Rasen sowie auch für den Obstanbau“, sagt Johann Braun und zeigt auf den neuen Flyer für den „Aschataler Naturdünger - rein biologisch.“ Schließlich fließt die Ascha in Sichtweite am Hof vorbei. Der geruchlose Langzeitdünger sollte in den Boden eingearbeitet werden, damit er den Wurzeln der Pflanzen direkt zur Verfügung steht. Johann Braun verweist auf die ausgewogene Mischung aus Hauptnährstoffen mit Stickstoff, Phosphor, Kali und Calzium sowie auf das Vorhandensein von Spurennährstoffen wie Magnesium, Natrium und Schwefel. Organischer Dünger baut den Humusgehalt im Boden langfristig auf und sorgt für ein aktives Bodenleben.

Stillstand ist Rückschritt

Seit wenigen Wochen ist der Aschataler Naturdünger bei drei Baumschulen im Landkreis sowie im Raiffeisenmarkt Schönsee erhältlich. Nachdem die Vermarktung über die regionalen Obst- und Gartenbauvereine in der Corona-Pandemie hinkt, ist eine Homepage mit Online-Shop im Aufbau. „Man muss andere Wege gehen. Stillstand bedeutet Rückschritt“, bekräftigt Johann Braun. Schließlich ist mit den Enkeln Lukas (7) und Elias (1) schon die nächste Generation auf dem Familienbetrieb vertreten.

Familie Braun in Gaisthal öffnet Türen ihres neuen Milchviehlaufstalles

Von der Natur, für die Natur. Es ist der perfekte Dünger für Gemüse, Blumen, Rosen und Rasen sowie auch für den Obstanbau.“

Landwirt Johann Braun

 

 

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