20.10.2021 - 14:09 Uhr
FriedenfelsOberpfalz

Vor 50 Jahren im Sturm und Nebel den ersten Oberpfalzturm im Steinwald aufgestellt

Vor 50 Jahren fegte ein kalter Sturm über die 946 Meter hohe Platte im Steinwald. Bundeswehr, Forst und Handwerker hatten eine besondere Aufgabe. Sie errichteten dort oben einen Turm. Zwei, die dabei waren, erinnern sich.

Eine Attraktion war von Beginn an der Oberpfalzturm. Vor 50 Jahren wurde er auf dem damals höchsten Punkt der Oberpfalz aufgestellt.
von Armin Eger Kontakt Profil

Es ist der 21. Oktober 1971. Ein Bergepanzer und ein Kran der Bundeswehr hatten sich in den frühen Morgenstunden auf den Weg zur 946 Meter hohen Platte im Steinwald gemacht, der höchsten Erhebung der nördlichen Oberpfalz. Forstleute, Handwerker und Journalisten erreichten einige Zeit später die Lichtung im Wald. Es war kalt, stürmisch und nebelig. Keine optimalen Voraussetzungen für das Vorhaben, den 26 Meter hohen Oberpfalzturm aufzustellen.

Bundeswehr hilft

Einer, der vor einem halben Jahrhundert dabei war, ist Norbert Reger. Der damals 29-Jährige betreute als Förster das Forstrevier Arnoldsreuth im Steinwald von 1967 bis 2006. Sein Chef, Forstdirektor Wolfram Geuß, leitete 1971 das Aufstellen des Turms. "Es waren nur die vor Ort, die auch damit was zu tun hatten. Es gab keine Einladung zum Aufstellen. Das war zu gefährlich", erinnert sich Reger, der sich seit fast 50 Jahren in der Gesellschaft Steinwaldia engagiert, seit über 40 Jahren als erster Vorsitzender. Panzer der Bundeswehr hätten das Material auf die Platte gebracht und die Holzkonstruktion aufgestellt. "Ich sehe noch den Zimmerer Schatzberger, wie der da oben rum turnt, da wird mir immer noch schwindlig."

Wie kam es überhaupt dazu, einen Turm aufzustellen? Als 1970 der Naturpark Steinwald gegründet wurde, waren die Mitglieder voller Tatendrang. 1971 wurde das Rotwildgehege am Pfaben eröffnet und Geschäftsführer Geuß wollte einen Aussichtsturm auf der 946 Meter hohen Platte. "Zum einen wollte er die Besucherströme kanalisieren und zum anderen wollte er einen Turm, weil es da oben keine Sicht gab", sagt Reger. Für einen Plattenturm und auch für einen Steinwaldturm hätte es allerdings kein Geld gegeben. "Erst als wir ihn Oberpfalzturm nannten, war die Regierung finanziell dabei", so der Vorsitzende der Steinwaldia.

Über 18 Tonnen schwer

Die Statik stammte vom Architekt Ascherl aus Weiden, die Planung vom Unternehmen Bauer aus Erbendorf. "Der für den Betonsockel verwendete Beton hätte normalerweise für zwei stattliche Einfamilienhäuser gereicht. Und von den wuchtigen Eckhölzern, aus denen der Turm gebildet ist, wiegt jedes zweieinhalb Tonnen. In zwei Hälften werden die Teile auf den Betonsockel gesetzt, beide vorher schon fertig verschraubt, jedes über 18 Tonnen schwer", berichtete in seinem Artikel Toni Siegert, der für den "Neuen Tag" vor Ort war.

Der Wiesauer Zimmerermeister Anton Schatzberger hatte vom 1970 gegründeten Naturpark-Verein den Auftrag erhalten, einen Holzturm zu verwirklichen. "Damals bin ich mit zwei Gesellen zu Fuß den Pfad rauf", erinnert sich der inzwischen 86-jährige. Er baute den ersten Turm nach dem Modell eines Statikers aus Weiden. "Am Anfang lag nur ein Berg Holz dort droben. Das Modell zeigte, wie er ausschauen soll. Die Pläne entstanden erst so nach und nach", denkt der Zimmerermeister zurück. Zunächst hätte es geheißen, zum Aufstellen würde ein Hubschrauber kommen. "Aber es gab in Deutschland keinen, der eine solche Last heben konnte." Deshalb baute man auf die Unterstützung der Bundeswehr.

"Rumgekraxelt wie eine Katze"

Am 21. Oktober 1970 war alles für das Aufstellen hergerichtet. Der Panzer und der Kran der Pioniere aus Weiden bahnten sich einen Weg hinauf zur Platte. "Es war schon fast winterlich, es war zudem nebelig", sagt Schatzberger. Die Fahrzeuge der Bundeswehr hoben die beiden tonnenschweren Teile auf den Betonsockel. Die Arbeit im Turm war Sache des Zimmerermeisters. "Keiner wollte mit raufgehen. Ich bin im Trum rumgekraxelt wie eine Katze", denkt der 86-Jährige an den Tag vor 50 Jahren zurück. Nach einigen Stunden gab er das Signal: "O.k. - fertig." Am. 22. Juli 1972 wurde der Oberpfalzturm eingeweiht.

An der Konstruktion gab es nichts auszusetzen, aber der Turm hielt nur 26 Jahre. "Er wurde falsch behandelt", weiß Schatzberger heute. Der Einsatz von Holzschutzmitteln hatte im Lauf der Jahre wohl nicht den gewünschten Effekt, die Fäulnis war nicht aufzuhalten. Das Fichtenholz sei im April geschlagen worden, als es schon wieder "im Saft war. Es konnte nicht austrocknen. Der Turm bekam bald Risse. Zudem wurde er falsch mit Holzschutzmitteln behandelt", sagt auch Reger. 100 000 Mark hat der erste Oberpfalzturm gekostet, 72 000 Mark kamen vom Umweltschutz-Ministerium, den Rest musste der Verein begleichen.

Abriss im April 1998

Nach etlichen Rettungsversuchen blieb dem Naturpark-Verein nichts anderes übrig, als den Abriss zu beschließen. Im April 1998 wurde der erste Oberpfalzturm abgebrochen. Der Wunsch nach einem Ersatzbau war in der Bevölkerung unüberhörbar, doch dem Naturpark war das Projekt auch finanziell eine Nummer zu groß. Da sprang die Stadt Erbendorf als Bauträger ein und ein neues Wahrzeichen für den Steinwald wurde in Auftrag gegeben. Diesmal aus Lärchenholz. Gut 30 Meter, etwas höher als der Vorgänger, ist der neue Turm. Gekostet hatte er 400 000 D-Mark. Zwei Drittel davon stammten aus europäischen und staatlichen Fördermitteln. Den Rest übernahmen Bezirk, Landkreis, Gemeinden und der Naturparkverein.

Seit 2020 steht auf der höchsten Erhebung der Oberpfalz der Oberpfalzturm Nummer 2. Tausende von Wanderern und auch Radfahrer kommen jährlich hinauf auf die Platte und genießen die Rundumsicht. "Der Blick reicht vom Egerland zum Fichtelgebirge, bis nach Bayreuth und im Süden über Amberg zum Bayerischen Wald. Und wenn wir Glück haben, müssten wir eigentlich weit drunten im Süden noch die Regensburger Domspitzen sehen", hatte schon vor 50 Jahren Forstdirektor Geuß gesagt. Und er sollte recht behalten.

Der neue Oberpfalzturm feierte im Oktober seinen 20. Geburtstag

Wiesau
Ein Meilenstein in der noch jungen Vereinsgeschichte war 1972 die Einweihung des Oberpfalzturmes auf der Platte. Damals die höchste Erhebung des Regierungsbezirkes.
Auf fast einer ganzen Seite berichtete „Der neue Tag“ am 23. Oktober 1971 über das Aufstellen des Oberpfalzturms.

„Keiner wollte mit raufgehen. Ich bin im Turm rumgekraxelt wie eine Katze.“

Zimmerermeister Anton Schatzberger, der den Turm vor 50 Jahren mit aufgestellt hat

Zimmerermeister Anton Schatzberger, der den Turm vor 50 Jahren mit aufgestellt hat

Hintergrund:

Naturpark Steinwald und Oberpfalzturm 1 und 2

  • Naturpark Steinwald: Gründung am 12. Februar 1970 in der Schloßschänke Friedenfels als 7. Naturpark Bayerns. Mit 23 000 Hektar der zweitkleinste der 19 Naturparke in Bayern.
  • Oberpfalzturm 1: Am 21. Oktober 1971 auf der 946 Meter hohen Platte aus Steinwaldfichten errichtet. Höhe 26 Meter. Kosten: 100 000 Mark.
  • Einweihung 22. Juli 1972 in Anwesenheit des damaligen Staatssekretärs Alfred Dick vom Umweltministerium. Abriss des Turms wegen Baufälligkeit am 1. April 1998.
  • Oberpfalzturm 2: Einweihung am 10. September 2000. Höhe 35 Meter. Kosten: 400 000 Mark. 150 stählerne Stufen führen hinauf zur Aussichtsplattform.
  • Die Platte war beim Bau des ersten Oberpfalzturms die höchste Erhebung der Oberpfalz. Diesen Superlativ hat der Steinwald bei der Gebietsreform verloren. Der höchste Berg ist nun im Bayerischen Wald der 1383,6 Meter hohe Kleine Arber.

 

 

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.